Farben – Teil 4: Grün

Grün steht oft für Natur, was den einfachen Grund  hat, dass es eben die dominierende Farbe in den gemäßigten und am besten bewohnbaren Regionen ist. Dem trägt auch die Evolution Rechnung, in dem unsere Augen besonders grün-empfindlich sind. Diese Auslese ist auch wieder recht trivial, wer im Wald mehr Grüntöne unterscheiden kann und mehr Konturen erkennt, stolpert nicht so schnell bei der Flucht vor dem bösen wilden Tier. Was mit denen passiert ist die im Wald soviel Struktur gesehen haben wie in einem wolkenlosen blauen Himmel sollte man sich denken können.

Übrigens in der Regel tragen auch die Sensoren der Digitalkameras diesem Umstand auch Rechnung. Alle Sensoren die eine  Bayer-Matrix als Layout haben, fallen 50% der Sensorfläche für die Grüntöne an und jeweils 25% für Rot und Blau.

Dadurch das Grün die Hauptfarbe der Vegetation ist und besonders im Frühling auffällt, gilt sie als die Farbe des Wachstums und der Hoffnung.
Daher schweifen wir einmal kurz in den Frühling ab. Die gesamte Frühlingsstimmung resultiert unter anderem aus der wieder höheren Lichtintensität, welche die Hormonproduktion im Körper antreibt, man wird euphorischer. Vermutlich dadurch auch der Wunsch nach Zweisamkeit angetrieben, dessen Ursache kann aber auch mit der im Vergleich zum Winter wieder leichteren Kleidung zu tun haben ;-) .
Im Großen und Ganzen sind wir im Frühling wieder positiver und leicht euphorisch auf das restliche Jahr eingestellt. Bewegt man sich dann im Freien unter der Frühlingssonne, sieht man eine unglaubliche Menge an grünen Pflanzen. Das Grün in den Pflanzen kommt von dem für die Photosynthese benötigten Farbstoff, dem Chlorophyll (welches das altgriechiche Wort für Blattgrün ist). Grüne Pflanzen betreiben dementsprechend aktiv Photosynthese und sind also im Wachstum und gesund (kranke Pflanzen sind alles nur nicht mehr komplett grün…). Zur Assoziation des Wachstums gesellt sich auch noch die Jugendlichkeit und Unerfahrenheit,  da junge Früchte meistens grün sind bevor sie reif sind, woraus dann auch Sprüche wie “Der ist noch jung und ganz grün hinter den Ohren.” resultieren.

Da sollte es einem dann nicht schwer fallen mit der Farbe Grün einiges an positivem zu verbinden, wie Wachstum, Jugend, Hoffnung und Erneuerung.

So kommt es dann auch das Grün als Signalfarbe für sicher und ordnungsgemäß verwendet wird. Bei einer grünen Ampel darf man fahren und es muss auch nicht die Auffälligkeit haben, wie das Signal zum Anhalten, theoretisch ist es ersteinmal ungefährlich eine für sich relevante grüne Ampel zu übersehen. Auch sonstige grüne Statuslampen bedeuten immer etwas positives, beispielsweise ordnungsgemäßer Betrieb einer Maschine.

Nur die sehr intensiven leuchtenden Grüntöne haben die negative Bezeichnung Giftgrün. Das ist dem Umstand geschuldet das früher größtenteils alle natürlich vorkommenden “giftgrüne” Farbpigmente auch wirklich giftig waren. Beispielsweise Schweinfurter Grün, dass trotz seiner bekannten lebensverkürzenden Eigenschaften bei zu hoher Dosis in der Malerei Verwendung fand.

In anderen Kontexten kann Grün, obwohl es dabei auch um Wachstum geht, negativ wirken, nämlich dann wenn etwas grünes, wie beispielsweise Schimmel auf normalerweise nicht grünen Lebensmitteln wächst, beispielsweise Früchten oder Fleisch.

Bei der Bildgestaltung lässt dem entsprechend Grün sich als belebte und nicht zu aufdringliche Farbe einsetzen. Sie passt sowohl zu den kalten Farbtönen am einen Ende und zu den Warmen am anderen Ende des sichtbaren Lichtspektrums ohne einen harten Kontrast zu bilden. Der blaue Himmel wirkt belebter mit einer grünen Wiese. Passenderweise liegt grün auch noch in der Mitte des Spektrums. Aber ohne einen passenden Kontrast kann Grün auf einem Foto alleine schnell langweilig wirken.

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